An Peene und Tollense
Die Tollense entspringt dem Tollensesee, fließt dann über Neubrandenburg und Altentreptow stets nach Norden, bis sie bei Klempenow einen leichten Knick nach Westen macht; sie nutzt von dort an ein breites eiszeitliches Urstromtal mit weiten Auen und sanften Talhängen, bevor sie schließlich bei Demmin in die Peene mündet. Der kleine Fluss hat es nicht eilig, schlängelt sich durch die Talsohle, begleitet von moorigen Wiesen und Schilf sowie von Wäldern an den Hängen; da und dort grasen Rinder auf der Weide – ein Welt für sich, ein kleines Arkadien in Vorpommern.
Nur dann und wann erscheint ein Dorf, eine Burg, ein Gutshaus oder ein Schloss. Man hört oft nichts anderes als den Wind oder das Gezwitscher und Geschrei der Vögel, die artenreich vertreten sind, Schreiadler, Schilfrohrsänger, durchziehende Gänse. Teils kann man am Talrand wandern, teils Schlossparks entdecken. An einigen Stellen gibt es die Möglichkeit, ein Paddelboot zu mieten und damit das Tal von innen her zu betrachten. Wer will, kann hier aus der Zeit fallen – oder überhaupt erst Zeit finden.


Das Städtchen Altentreptow hat sich sein malerisches Aussehen bewahrt, geprägt von zwei spätmittelalterlichen Backsteintoren sowie der spätmittelalterlichen St.-Petri-Kirche mit einem beeindruckenden Flügelalter aus dem 15. Jahrhundert. Dazwischen findet man reizvoll geschwungene Straßenzüge und den Marktplatz, wo man in der „Essbar Rustico“ nett einkehren kann, Tel. 03961-3399676. Info: https://www.altentreptow.de

Um 1250 v. Chr. war das Tal der Tollense ein unüberwindliches sumpfiges Gebiet und damit eine landschaftliche Barriere. Bei Burow-Weltzin führte damals aber ein Damm mit Brücke über das Tal. Just hier fanden die Archäologen die Nachweise einer großen vorgeschichtlichen Schlacht, an der mutmaßlich 4000 Krieger teilgenommen hatten, belegt durch viele verletzte Skelette, Holzkeulen, Pfeilspitzen aus Stein und Bronze, die teilweise noch in den Knochen steckten. Diese Schlacht an der Tollense gilt heute als die älteste, archäologisch nachweisbare Schlacht in Europa. Zu den Erklärungsmöglichkeiten gehört die Annahme, dass Fernhändler aus dem bayerisch-böhmischen Raum an die Ostsee vordringen wollten, bis sie hier aufgehalten wurden. Erstaunlich, dass man damals schon in der Lage war, solch große Kriegerheere zu organisieren. Es war etwas los in dieser Gegend.

Die Archäologen forschen seit Jahren in diesem Gebiet; außerhalb der Grabungskampangen ist davon nichts erkennbar; noch nicht einmal eine Tafel weist auf das Ereignis hin. Daher entstand die Idee eines Arbeitsmuseums – die Architekturmodelle können im Schloss besichtigt werden. Unter diesem Link ist dazu der Aufsatz in der Zeitschrift Pommern zu finden: Arbeitsmuseum Beltzin
Auch im Mittelalter markierte die Tollense einen Grenzraum, der militärisch gesichert wurde: die Grenzlinie zwischen Pommern und Mecklenburg. Burg Klempenow entstand im Auftrag der Herzöge von Pommern als Zollburg, die als Lehen an Rittergeschlechter vergeben wurde. Erhalten haben sich Teile einer Burg, die im 13. / 14. Jahrhundert entstand, um den Übergang an der Tollense zu kontrollieren. Zu sehen ist ein runder Backsteinturm mit steil gemauerter Spitze. Daran schließen sich einfache Wohnräume aus der Renaissance an. Heute wird die Burg als kultureller Veranstaltungsort mit Galerie und Café genutzt, winters geschlossen. Info: https://burg-klempenow.de
Gleich neben der Burg findet man eine Kanustation, Tel. 0175 / 608 58 91

Das Gutshaus erhebt sich stolz über dem Talhang. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ließ Karl Friedrich von Linden dazu einen englischen Landschaftsgarten anlegen, der sich vom Hang ins Tal erstreckt. Das Gutshaus wurde schließlich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts neogotisch überformt. Das Haus wird privat genutzt, während der Park öffentlich zugänglich ist, außer an Sonntagen.
Gleich neben der Burg findet man eine Kanustation, Tel. 0175 / 608 58 91

Schloss Broock wurde Ende der 18. Jahrhunderts als breitgelagertes frühklassizistisches Herrenhaus errichtet. Hans von Seckendorff ließ das Haus dann um 1840/50 von Friedrich August Stüler neogotisch überformen, während Peter Joseph Lenné dazu einen Park anlegte. Das Schlossgut wurde so zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt im 19. Jahrhundert und war überdies berühmt für sein Pferde- und Schafzucht. 2017 kaufte der Berliner Architekt Stefan Klinkenberg den verfallenen Besitz und begann ein Jahr später mit der Sanierung. Nach und nach soll wieder ein gastlich-gastronomisches Haus entstehen.
Gleich neben der Burg findet man eine Kanustation, Tel. 0175 / 608 58 91
Fertig ist bereits der Dorfladen mit Café-Bistro und Biergarten, der einen freien Blick auf das Tollensetal bietet. Info: https://www.schlossgut-broock.de/dorfladen

Über Schloss Broock, oben am Hang, entdeckt man das Gutshaus Hohenbüssow, das privat genutzt wird. Ein ehemaliger Getreidespeicher, der zum Gut gehört hatte, wurde jüngst saniert und in ein Kulturzentrum mit Dorftheater und Radler-Café verwandelt. Info: https://provie-theater.de
Wie die Burg Klempenow war die Burg Osten eine mittelalterliche Zollburg an der Grenze zwischen Pommern und Mecklenburg. Das Geschlecht von der Osten hatte die Burg im späten Mittelalter von den Herzögen von Pommern als Lehen erhalten und verlieh dann der kleinen Festung ihren Namen, bevor sie im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Erhalten blieben Erdwälle und Grundmauern. Ein Teil der abgebrochenen Steine wurde Ende des 17. Jahrhunderts für den Bau von Schloss Schmarsow verwendet.
Gleich neben der Burg findet man eine Kanustation, Tel. 0175 / 608 58 91

Schoss Schmarsow liegt rund zwei Kilometer nördlich der Tollense. Das stattliche Herrenhaus entstand Ende des 17. Jahrhunderts als Drei-Flügel-Anlage unter Philipp von Parsenow, der als hoher Offizier des Bischofs von Münster reich geworden war und einen Bau schuf, der die anderen Gutshäuser der Gegend übertrumpfen sollte.

Man nannte das Herrenhaus deshalb auch ein Schloss. Es beeindruckt durch ausgewogene Proportionen, dicke Mauern, hohe Räume, knarrende Dielen und viel Platz. Die Berliner Architektin Andrea Ruiken-Fabich hat das ehrwürdige Bauwerk kurz nach der Jahrtausendwende mit denkmalpflegerischem Gespür ertüchtigt und einige Apartments als Ferienwohnungen eingerichtet, daneben die Schlossküche und das Tafelzimmer für Frühstück und Kochkurse sowie den Eickstedtsaal für Konzerte und Vorträge. Andrea Ruiken-Fabich und ihr Mann Falk Fabich sind heute die Schlossbesitzer.
